"Wenn alles voll ist, muss man auf dem Gehweg parken"

Presseecho

Bewohner der Konkordiastraße nehmen Stellung zu Problemen im Ortskern / Bürgermeister verspricht Abhilfe
"Die Leute wollen nicht falsch parken, aber oft bleibt ihnen nichts anderes." Ursula Hornig wehrt sich dagegen, dass die Bewohner des engen Edinger Ortskerns pauschal wegen rücksichtslosen Parkens kritisiert werden. Ihr Gatte Werner hat Verständnis für die Beschwerden Behinderter, die vom Gehweg auf die Fahrbahn ausweichen müssen: "Doch mit dem Verteilen von Knöllchen ist das Problem nicht gelöst."

Ursula Hornig kennt beide Seiten: "Meine Mutter ist zu hundert Prozent sehbehindert. Wenn sie mit ihrem Blindenstab auf die Straße muss, ist das kritisch. Aber wenn man abends kommt und alles voll ist, muss man sich auf den Gehweg stellen."

Schlimmer als in der noch relativ breiten Konkordiastraße sind die Zustände in der Wilhelmstraße. Ursula Hornig: "Abends ist es so voll, dass ich mit dem kleinen Wagen kaum durchkomme." Verschärft wurde die Situation im gesamten Bereich ihrer Meinung nach durch die massive Bebauung mehrerer Grundstücke.

Warum parken die Autos nicht in den Einfahrten, wie Kritiker der Situation fordern? Weil die Einfahrten der rund hundert Jahre alten Häuser zu eng sind, erläutert Claudia Remmers. Früher waren es offene Höfe, die irgendwann überbaut wurden. Von den Einfahrten führen zudem oft noch Treppen in die Häuser, was den Raum weiter einschränkt. Hornigs könnten ihren Wagen zwar in den ehemaligen Hof stellen, doch das Ein- und Ausfahren wird zur Millimeter-Arbeit, wenn gegenüber Autos stehen. Oder es klappt gar nicht, ergänzt Werner Hornig: "Wenn alles voll steht, hast Du keine Chance." Auch die Parkplätze an der Alten Schule, ja selbst an der Volksbank sind nach Angaben der Ortskern-Bewohner oft belegt. "Wenn mein Mann um vier, fünf Uhr heimkommt, findet er nichts", meint Jutta Schmitt.

Ein Rundgang zeigt, dass Rollstuhlfahrer, Menschen mit Kinderwagen oder Senioren mit Gehhilfen die meist schmalen Gehwege ohnehin kaum benutzen können. Denn immer wieder werden sie durch Treppen, die zu den Hauseingängen führen, weiter eingeengt. An anderen Stellen sind die Gehwege schief oder weisen Schäden auf.

Was tun? Werner Hornig plädiert für die Umwandlung von Wilhelm-, Konkordia- und Anna-Bender-Straße in Spielstraßen. Dann könnten die Autos nahe an den Hauswänden parken. Und die Fahrbahn müssten sich Fußgänger und der rollende Verkehr teilen, der nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfte. "So kämen auch Feuerwehr und Müllabfuhr durch", kommentiert Jutta Schmitt. "Wenn auf beiden Seiten Autos stehen, wird automatisch langsamer gefahren", hofft Claudia Remmers. "Hier wohnen schließlich auch viele Kinder." Von Parkboxen habe ein Gemeindevollzugsbeamter abgeraten, erzählt Ursula Hornig. Da würden nämlich etliche Parkplätze wegfallen. Für die Männer aus Weinheim hat sie Lob parat: "Die sind nett und tun nur ihre Arbeit." Ursula Hornig hofft auf eine rasche Lösung: "Denn es tut mir auch leid, dass es wegen des Parkens unter den Nachbarn böses Blut gibt."

Bürgermeister Roland Marsch erklärte auf Anfrage des "MM", dass sich die Gemeinde intensiv mit der Anlage von verkehrsberuhigten Bereichen beschäftigt, im ersten Schritt in der Wilhelm- und Anna-Bender-Straße. Sobald ein Entwurf als Diskussionsgrundlage vorliegt, werden die Bürger beteiligt. Später kann das Konzept auf andere Straßen im Ortskern übertragen werden. In verkehrsberuhigten Bereichen, wie es bereits an Alten Schule einen gibt, hat kein Verkehrsteilnehmer Vorrang, und Fahrzeuge müssen Schritttempo einhalten. Die Einrichtung von Spielstraßen mache dagegen wegen des Durchgangsverkehrs keinen Sinn, so das Ortsoberhaupt.

Mannheimer Morgen - 24.02.2007 - Von Dr. Klaus Backes