Seit Anfang März ist die archäologische Ausstellung im Neckarhausener Schloss geöffnet, die vom Heimatbund Edingen und den Reiss-Engelhorn-Museen organisiert wurde. Darüber und über die Möglichkeit, auch in anderen Gemeinden lokale Funde zu präsentieren, sprachen wir mit Patricia Pfaff und Dr. Klaus Wirth von der Archäologischen Abteilung der Mannheimer Museen.
"Grabungen sind Beiträge zur Identität der Gemeinde"
Allgemein
Wie war bisher die Resonanz auf die Ausstellung im Neckarhausener Schloss?
PATRICIA PFAFF: An jedem Öffnungstag kommen etwa 80 bis 90 Besucher, hauptsächlich aus Edingen-Neckarhausen, aber auch aus Friedrichsfeld, Ladenburg, Weinheim und Mannheim.
DR. KLAUS WIRTH: Ein hervorragendes Ergebnis. Das ist die erste Ausstellung in unserem erweiterten Aufgabengebiet. Seit Dezember 2003 betreuen wir nämlich auch Gebiete außerhalb Mannheims, weil wir befürchten, dass durch Bauprojekte viel archäologische Substanz verloren geht. So sind wir für Ilvesheim, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim und Schriesheim zuständig. Das sind alles Lagen, die in vor- und frühgeschichtlicher Zeit bevorzugt wurden. Sie weisen deswegen ein hohes Fund- und Befundaufkommen auf. In den vergangenen Jahrzehnten gab es lediglich Zufallsfunde, die kaum dokumentiert wurden. Jetzt können wir zeigen, wo und wie die Menschen damals gelebt haben. In diesen Gemeinden arbeite ich als ehrenamtlicher Beauftragter des Regierungspräsidiums.
Werden Sie ähnliche Ausstellungen wie in Neckarhausen auch an anderen Orten organisieren?
WIRTH: In Edingen-Neckarhausen gibt es eine besondere Situation, weil wir dort einen regen Heimatbund mit kulturinteressierten Leuten haben. Bisher sind noch keine derartigen Anfragen aus anderen Gemeinden eingetroffen. Wenn beispielsweise Ilvesheim das wünscht, wären wir gerne bereit, auch dort eine ähnliche Ausstellung zu machen. Wir bieten aber auch Vorträge und Führungen an.
Zurück nach Edingen-Neckarhausen. Sind die Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Brotfabrik abgeschlossen?
WIRTH: Ja. Das ist in guter Kooperation mit Diringer & Scheidel erfolgt. Wir haben Besiedlungsspuren von der Mitte des 6. vorchristlichen Jahrtausends bis zum Mittelalter entdeckt, darunter sehr seltene Funde. Und wir haben einen Hausgrundriss der Hinkelsteinkultur aus der Zeit um 4900 vor Christus ergraben.
Neben dem Baugebiet steht die Martinskirche. Dem Heiligen Martin gewidmete Gotteshäuser sind in der Regel sehr alt. Könnte hier die Keimzelle von Edingen liegen?
WIRTH: Das ist schwer zu beurteilen, weil direkt neben der Kirche nicht gegraben wurde. Andererseits haben wir Gräber aus dem 5. und 6. Jahrhundert aus der Unteren Neugasse. Es ist deshalb denkbar, dass der älteste Kern von Edingen dort liegt. Edingen-Neckarhausen ist für mich ein Pilotprojekt, ein Beispiel dafür, dass archäologische Denkmalpflege im Zusammenspiel mit Gemeinde und Bauherren funktionieren kann, ohne dass die Sanktionen des Denkmalschutzgesetzes greifen müssen. Das bedeutet: Ausgrabungen vor Baubeginn, und im Gegenzug bieten wir den Bauherrn Planungssicherheit, auch wenn ich deswegen nachts oder an Wochenenden arbeiten muss.
Sind Sie mit den Resultaten zufrieden?
WIRTH: Wir wissen jetzt sehr gut Bescheid, wie in der Gemeinde in vor- und frühgeschichtlicher Zeit gesiedelt wurde. Wenn jetzt Bauprojekte anstehen, können wir sagen, was uns und die Bauherren erwartet.
Was hat die Gemeinde davon?
WIRTH: Sie gewinnt Öffentlichkeitswirksamkeit durch Medien und Internet. Dank dieser Kulturförderung wird die Gemeinde interessant für Leute, die in die Region ziehen wollen, und sie schafft sich einen bekannten Namen im Ballungsraum Rhein-Neckar. Zudem sind die Forschungen Beiträge zur Identität einer Gemeinde. So ist das Senioren-Pflegeheim in Neckarhausen kein beliebiges Gebäude, sondern es steht inmitten des ältesten archäologisch nachgewiesenen Weinbaugebiets der Region. Eine Informationstafel ist in Vorbereitung.
Mannheimer Morgen -11. April 2007 - Von Dr. Klaus Backes

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