Am Samstag öffnet die archäologische Ausstellung im Schloss
Auch Edingen-Neckarhausen hat eine reiche Geschichte. Dies wird deutlich, seitdem Dr. Klaus Wirth von den Reiss-Engelhorn-Museen die Gemeinde archäologisch betreut. Wer die Grabungen nicht verfolgt hat, kann ab dem morgigen Samstag die neuen Funde sowie ältere Exponate aus den Beständen des Mannheimer Museums, das die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Heimatbund organisiert hat, im Schloss bewundern.
Ein Rundgang durch 7 500 Jahre
Presseecho
In den Vitrinen liegen Gegenstände, die zwischen 5 500 vor Christus und 1945 entstanden sind, eine Zeitspanne von fast 7 500 Jahren. Aus der Jungsteinzeit blieben unscheinbare Dinge: Keramikscherben, Gerätschaften aus Stein und Knochen. Wichtig für die Steinzeitmenschen waren die Geweihe, aus denen beispielsweise Schmuck und Griffe für Werkzeuge herbestellt wurden. Die rund 7500 Jahre alten Funde kommen aus der Freiherr-von Drais- und der Lilienstraße. Vom Gelände der ehemaligen Brotfabrik stammen Bruchstücke von Vorratsgefäßen aus der Urnenfelderzeit um 1200 vor Christus.
Im 5. vorchristlichen Jahrhundert siedelten Kelten in der Gemeinde, was die Entdeckung von mindestens 25 Gräbern zwischen 1923 und 1954 auf dem Gelände der Gärtnerei Doberaß belegt. Bronzene Armringe und blaue Glasperlen zählen zu den wenigen Funden, die damals geborgen wurden. Dann kamen die Germanen, genauer die Neckarsueben. Aus Männergräbern des 1. nachchristlichen Jahrhunderts stammen die Messer, Speerspitzen und Scheren sowie die unvermeidliche Keramik. Zwei etwa 100 Jahre jüngere Brandgräber dokumentieren die Präsenz der Römer. Entdeckt wurden sie 1958 auf dem Gelände der Firma Schoeps und auf dem Grundstück Hauptstraße 171. Ganze Geschirrsätze gab man den Toten mit, darunter auch feine Terra-Sigillata-Gefäße.
Zu den Highlights zählt natürlich das Skelett des "Edinger Reiters". Weshalb der Mann im 9. oder 10. Jahrhundert in eine Grube auf dem "Hirsch"-Areal geworfen wurde, ist nach wie vor rätselhaft. 1910 wurden in der Konkordiastraße Gefäße aus der Merowingerzeit entdeckt, von denen Kopien zu sehen sind. Das Mittelalter ist aber insgesamt schwach vertreten. Dr. Wirth dazu: "Diese Schicht wurde durch die Unterkellerung späterer Häuser zerstört." Viele Funde kommen aus den alten Weingärten in Neckarhausen, neben landwirtschaftlichen Geräten auch Spuren des Dreißigjährigen Kriegs: Kugeln und Armbrustbolzen, ergänzt durch Leihgaben aus einer Privatsammlung. Dann das jüngste Exponat: der ausgeglühte Rest einer Stabbrandbombe, die während des Zweiten Weltkriegs auf die Gemeinde niederging.
Mannheimer Morgen - 02. März 2007 - Von Dr. Klaus Backes

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