Gespräch mit dem Sozialarbeiter der Gemeinde und Mitgliedern des Fördervereins über das Jugendzentrum
Das Jugendzentrum (JUZ) Edingen ist in der Krise: Im Mitteilungsblatt sind Bitten um ehrenamtliche Unterstützung zu lesen, und Bürgermeister Marsch hat in seiner Etatrede Verbesserungen angemahnt. Wir sprachen darüber mit Sozialarbeiter Werner Kaiser und Walter Heilmann sowie Jochen Deckert, beide Vorstandsmitglieder im Förderverein für Offene Jugendarbeit Edingen-Neckarhausen (FOEN).
Werner Kaiser: "Man lässt es eben einfach laufen"
Presseecho
Walter Heilmann will die Kritik des Bürgermeisters so nicht akzeptieren: "Man ist vielleicht unzufrieden, aber gleichzeitig nicht bereit, etwas zu investieren, und es bleibt auf dem heutigen Niveau." Heilmann vermisst Vorschläge und Konzepte seitens der Gemeinde. Werner Kaiser ergänzt: "Man lässt es eben einfach laufen. Wir leben momentan von der Substanz, denn ehrenamtliches Engagement und Mitverwaltung der Jugendlichen sowie der Einsatz der Eltern lassen immer mehr nach. Und ich kann mich nicht verteilen. Als Einzelkämpfer öffne ich das JUZ 30 Stunden pro Woche." Zudem soll sich Kaiser auf Wunsch der Gemeinde auch als Streetworker an Punkten betätigen, wo sich Jugendliche treffen und Unfug machen könnten. Dann hält ihm Jochen Deckert, neben Heilmann der einzige regelmäßig im JUZ tätige Ehrenamtliche, den Rücken frei. Als positiv wertet Heilmann den Einsatz von Jusos und Junger Union.
Im Gegensatz zu früher, so der Sozialarbeiter, kommen meist Jüngere: "Wir könnten uns fast Kinderzentrum nennen." Und das Einzugsgebiet begrenzt sich mittlerweile fast ausschließlich auf die Pestalozzi-Schule. Das hat nach Kaisers Auffassung mit dem "schwierigen Standort" zu tun. Einen Umzug ins Sportzentrum hält er nach wie vor für die bessere Lösung. Sein Traum ist, dass dort auch eine Schule für alle Ortsteile samt Sporthalle entsteht. Doch das wird kaum geschehen. Welche realistischen Perspektiven gibt es?
"Wenn es klappt, wird im Herbst wieder die Praktikantenstelle besetzt", sieht Kaiser einen Hoffnungsschimmer. Er befürchtet allerdings, dass der Praktikant die Hälfte seiner Arbeitszeit im Hort verbringt. Jochen Deckert: "Wenn es eine weibliche Praktikantin wäre, kämen mehr Mädchen." Aber das reicht nach Auffassung des Trios nicht aus, um die Probleme des JUZ zu lösen. Heilmann: "Mir schwebt vor, dass mehr besondere Angebote gemacht werden, die Jugendliche aus der gesamten Gemeinde ansprechen, dazu auch Schüler von auswärtigen Schulen. Dann würden die Hauptschüler nicht mehr im eigenen Saft kochen." Und mehr Aktivitäten würden auch die Bereitschaft von Erwachsenen zu ehrenamtlichem Engagement fördern, meint Heilmann. Seiner Auffassung nach könnte man mit geringem finanziellem Aufwand Honorarkräfte für einzelne Veranstaltungen anheuern. "Ich habe keinen Haushaltstitel dafür", nennt der Sozialarbeiter ein Hindernis.
Auch die Strukturen würde Walter Heilmann gern ändern: "Mir schwebt ein Trägerverein vor. Die Gemeinde braucht das JUZ nicht aus der Hand zu geben, sondern kann selbst in diesen Verein gehen." Doch der erste Trägerverein ging zu Beginn der 90er Jahre unter. Werner Kaiser erläutert, dass sich kaum frühere JUZ-Besucher und nur wenige Eltern engagiert hätten. Weshalb klappt das in Friedrichsfeld besser? Kaiser: "Dort waren von Anfang an Erwachsene da, die sich gekümmert haben. Der Treff ist aus der Ehrenamtlichkeit gewachsen."
Mannheimer Morgen - 06. März 2007 - Dr. Klaus Backes

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