Plagegeister nehmen überhand: viele Zecken in diesem Jahr

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Klimawandel wirkt sich massiv auf Region aus, prophezeit Meteorologe Werner Fink beim Vortrag im Bürgersaal
"Was die Natur über Millionen Jahre austariert hat, bringen wir mit unseren CO2-Emissionen durcheinander", ist Werner Franke überzeugt. Der Meteorologe leitet die medienübergreifende Umweltbeobachtung bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) und sprach im Edinger Rathaus über lokale Auswirkungen des Klimawandels.

Dass das Thema so aktuell würde, hatte Andreas Collet von der Lokalen Agenda, Projektgruppe Lebendiger Neckar, beim Planen der Veranstaltung nicht gedacht. Dass es trotzdem nur rund 20 Interessenten anlockte, bedauerte er. "Eigentlich müsste der Saal voll sein."

Was heute ausgestoßen wird, werde in 50 bis 100 Jahren die Temperatur um einige Grade steigen lassen, ist Experte Franke überzeugt. Das Klima sei eine rein statistische Größe, und über langjährige Beobachtungen lasse sich etwas über den Wandel sagen, der bereits begonnen habe. Der erhöhte Kohlendioxid-Wert lasse ohne Zweifel die Temperatur steigen. "Was wir heute erleben, ist das, was wir in den fünfziger Jahren emittiert haben", erklärte Franke. "Und der Oberrhein ist Klimagunstgebiet": Die Region zähle bald zu den drei heißesten Punkten bundesweit. Besonders deutlich werde der Temperaturanstieg in der kalten Jahreszeit. "Der diesjährige Winter liegt vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt", so Franke. Da die Winterruhe fehlt, stehe uns eine Zeckenplage bevor, ist er überzeugt.

Die heißen Tage nehmen zu, die frostigen ab, außerdem müssten wir verstärkt mit Extremwetter rechnen: Hagel, Stürme, Gewitter und starker Regen. "Langfristig verschwinden bestimmte Weinsorten wie der Riesling, weil die Säure nicht mehr zu erreichen ist", erklärt Werner Franke. "Außerdem bekommen wir Plagegeister, die wir noch gar nicht kennen", lenkt er den Blick auf Insekten. Diese könnten Krankheiten übertragen, die bislang nur im Mittelmeerraum vorkommen. Positiv sei, dass die Badetage an den Seen zunehmen.

Was zu tun sei, wollten die Zuhörer wissen. "Die Photovoltaik-Anlage am Rathaus hat mich sehr gefreut", lobte der Experte. Aus städtebaulicher Sicht sollten gepflasterte Plätze vermieden werden, weil sich im Sommer die Hitze staue. "Jeder kann etwas tun, ohne dass die Lebensqualität leidet. Man muss nur mal drüber nachdenken, wo man Energie sparen kann." cos

Mannheimer Morgen - 17. März 2007