Zuletzt ging alles ganz schnell: Nachdem der Technische Ausschuss und der Gemeinderat in der vergangenen Woche noch einmal nicht öffentlich über Sanierung und Nutzungsmöglichkeiten der früheren Orangerie beraten hatten, wird jetzt ein Konzept präsentiert, das Staunen macht. Aus dem kleinen Schmuckstück, seit Jahren schon dem Verfall preisgegeben, wird ein so genannter "Hamam", ein türkisches Dampfbad auf insgesamt zwei Ebenen.
April, April... Türkisches Dampfbad kommt in die Orangerie
Allgemein
Möglich wurde das Ganze, nachdem ganz plötzlich ein Investor auf Presseberichte über die Probleme der Gemeinde mit der früheren Orangerie und Schlosskapelle reagierte. Ersten unverbindlichen Gesprächen mit der Verwaltung folgten ernsthafte Plansitzungen und schließlich der Vertragsabschluss Anfang dieser Woche: Per Energie- und Gebäudecontracting will der turkmenische Betreiber Chalaman Lacha das Kleinod nun in seine Hände übernehmen. Das heißt, Gebäude und Grundstück bleiben im Besitz der Gemeinde, Lacha hingegen übernimmt die Kosten der Sanierung und des Umbaus sowie der Unterhaltung, behält dafür jedoch alle Einnahmen seiner Unternehmung für sich.
Beim Vor-Ort-Termin mit der Presse stritt Lacha ab, die Dämpfe aus seinen anderen drei Bädern in der Region hätten ihm das Hirn vernebelt. Sicher sei das Projekt ehrgeizig und teuer, gab er offen zu. Doch ihn reize die Herausforderung – Hindernisse zu überwinden, habe in seiner Familie Tradition, erklärte der Nachfahre des berühmten Bäderbetreibers Chalaman Vasha, der im 17. Jahrhundert mit den reinlichen Einrichtungen zu Wohlstand kam. Außerdem sei er ein großer Fan von Schloss, Schlosspark und eben der alten Orangerie.
Vor Ort erläuterte Lacha nun kurz seine Pläne: Demnach wird erst einmal das Fundament stabilisiert, anschließend Wände und Dach per Ringanker festgezurrt. Der Lehmziegelboden wird vorsichtig abgetragen, der Boden schließlich tiefergelegt. In der Raummitte wird eine beheizbare (die Energie kommt aus dem Schwimmbad über das Feuerwehrhaus herüber) Liegefläche aus Marmor nebst Springbrunnen installiert. Die vom Denkmalamt als "erhaltenswert" eingestuften Lehmziegel werden an den Seiten wieder aufgebracht, allerdings mit einer durchsichtigen Kunstharzschicht bedeckt. An die Wände kommen Waschbecken mit heißem und kaltem Wasser, zwei "Telektschi", auch "Badwärter" genannt, sorgen später für das Wohl der Besucher. Ihr Job ist die einrenkende Rücken- und Gliedermassage, wobei das Alles im Gegensatz zu gewissen japanischen "Soaplands" überhaupt nichts Anrüchiges habe, wie Lacha versichert. Vier marmorierte, enorm belastbare, Betonstützpfeiler nehmen das neu zu gestaltende Obergeschoss auf ihre Schultern. Nach dem Einzug einer festen Betondecke wird dort oben ein Ruheraum mit Teebar und Shishas (Wasserpfeifen) eingerichtet. Das Bad wird an allen Wochentagen geöffnet sein – für Männer und Frauen aber getrennt und zu verschiedenen Zeiten. Ganz traditionell eben.
Die Verwaltung ist hochzufrieden mit dieser Lösung und auch die Parteien signalisierten Zustimmung: "Das ist eine saubere Sache", erklärte CDU-Ortsverbandsvorsitzender Christian Volk, während die Grünen noch dabei sind, ein Meinungsbild zwischen aktiven und passiven (Nicht-) Mitgliedern zu erstellen. SPD, FDP und FWV lobten aber das kostengünstige Konzept als "Durchbruch und Meilenstein" und die Deutsch-Türkische-Freundschaftsgesellschaft gab bereits bekannt, ihre Jahreshauptversammlungen künftig im Hamam im Schlosspark abhalten zu wollen.
Chalaman Lacha wird sein Konzept "Chalaman Ins Chalabad" am Sonntag, 1. April, um 12.30 Uhr bei türkischem Mokka näher vorstellen. Das kleine Fest wird von einer Bauchtanzgruppe begleitet. Die Bevölkerung ist eingeladen.
Rhein-Neckar-Zeitung - 31.03.20007

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